Das Einhorntier, vielleicht ein stilisiertes Rind, wiederholt sich wie ein Markenzeichen auf Hunderten Siegeln, oft mit rituellem Ständer. Motive waren keine Dekoration, sondern codierte Zugehörigkeit, Werkstattstolz und Netzwerke. Eine Bildsequenz auf Ton kannte kein Missverständnis beim Hafenbeamten, der das Gewerbe des Anlieferers erkannte. So wanderte Identität über Wege und Generationen, hielt Namen lebendig, auch wenn die Schrift heute schweigt. Und jedes Abdruckpaar erzählte von einer Transaktion, die begann und zuverlässig ankam.
Mit nassen Tonplomben, eng um Schnüre gepresst, eroberten Siegel die unsichtbaren Zwischenräume des Handels: den Moment der Übergabe, den Weg im Dunkeln, die Ankunft bei unbekannter Wache. Ein intaktes Relief bedeutete Unversehrtheit, eine abgekniffene Ecke Rüge oder Neuverpackung. Siegelabdrücke dienten als Quittungen, als Erinnerung für zählende Hände, als Brücke zwischen Werkstatt und Speicher. So entstand Verlässlichkeit nicht aus großen Worten, sondern aus kleinen, wiederholbaren Handgriffen, die jeden Beteiligten sichtbar machten.
Indus-Siegel tauchen in Susa und im Zweistromland auf, während im Indusraum westliche Motive nachempfunden werden. Diese Spiegelbewegung zeigt, wie Bildsprachen lernen und verhandeln. Händler passten Zeichen an, ohne ihre Herkunft zu verlieren. Imitationen verraten Bewunderung und Konkurrenz zugleich. Ein Siegel, in fremdem Ton gedrückt, war Einladung und Ansage: Wir sind da, mit Maß, Qualität und Erinnerungswert. Teilen Sie im Kommentar, welches Motiv Sie als Erkennungszeichen Ihres idealen Handelshauses wählen würden und warum.